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Köln, Gebäude 9

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The Dø (17.5.2009)

Schon seit Wochen waren die junge Finnin Olivia Merilahti und der Franzose Dan Levy im Radio zu hören. Ihr Debut A Mouthful (cinq7, 2009) ist mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund und folglich wurde das Gebäude 9 - wegen starker Nachfrage vom Studio 672 aus verlegt! – schon im Vorprogramm gefüllt mit einem auffallend wohlerzogenen weiblichen Publikum mit dem Berufsziel Grundschulpädagogik.

Pünktlich wie die Maurer wurde um 22 Uhr zum Intro geblasen; synthie-lastige Klangmauern, dazu gab's sympathisches Genöle der bezaubernden Sängerin. Der erste reguläre Song At Last kam zwar in gefühlt halbem Tempo, dafür aber mit umso mehr Groove. Ohne Angst, das Pulver zu verschießen, kam im Anschluss schon der zweite starke Song des Albums (The Bridge) überraschend ambitioniert und bewegend. So spontan und choreografielos die Band sich auf der kleinen Bühne bewegte, ging die Bewegung auf das Publikum über: unbeholfen, aber entspannt und gelassen. Es folgte Bohemian Dance. Der leise, vom Rhodes getragene Track, wirkte etwas verkrampft und kam über die übliche Intention „jetzt stellen wir mit Elektronik und Orff-Instrumenten minimalistische Klangstrukturen her“ nicht hinaus. "Es ist nicht leicht, ein Bohémien zu sein", sagte einst schon Helge Schneider. Für den Rest des Gigs haben The Dø die menschliche Gefühlswelt gut durchgespült: von rotzigem, dynamischen Jam ähnlich Led Zeppelin, über ihren längst schon zum Indie-Hit avanciertem Over my Shoulders, bis hin zu der wunderschönen Zugabe Stay (Just a little Bit more).

Die Performance der Sängerin wirkte dumm-sexy, flower-chic und trotzdem glaubwürdig. Bei ihrem männlichen Gegenpart Dan Levy konnte man nur schwer erkennen, ob ihn die Kollektivimprovisationen in Ekstase brachten oder er sich Backstage einfach bloß so weggesoffen hatte, dass er kaum drei Sekunden geradeaus gucken konnte. Der Drummer schien wie aus einer New Yorker Hardcore-Combo entsprungen. Über dem restlos zutätowierten Muskelprotz hing ein spiralenförmiges Konstrukt von Becken, Kacheln, Klangstäben und mehr. Der Drummer wütete, begleitete, moshte und swingte und das so unprätentiös, wie es eigentlich die ganze Band war. Dennoch, das leicht prollige Rockertum in Zusammenhang mit dem mid-tempolastigen Grunge-Folk machten The Dø live umso interessanter. Ein aufregender Abend voller Differenzen und Widersprüche.

 

Text: Jan-Nicolai Kolorz

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