
Kulturkirche, Köln
Kulturkirche, Köln
Die Happy (11.4.2009)
Die Kulturkirche in Köln steht für geschmackvolle Konzerte namenhafter Bands. Das Ambiente einer richtigen Kirche sorgt für andächtige Stimmung während der Konzerte und es gibt nicht wenige Bands, die man gerne dort bestaunen würde.
Denkt man an MTV-Unplugged, so sind es die großen Konzerte, die sich vor dem inneren Auge und Ohr präsentieren: Eric Clapton, Nirvana und Bryan Adams. Auch deutsche Bands schafften es, ihre Unplugged-Sessions geschmackvoll an den Mann zu bringen, denken wir an die Performance der Fantastischen Vier in einer Tropfsteinhöhle oder die humorvollen Arrangments der Punkband Die Ärzte in einer Schulaula.
Wie es nun ausgerechnet die Ulmer Schnulzrocker von Die Happy für ein Akustikkonzert in die Kulturkirche schafften, bleibt rätselhaft. Das Ergebnis der Show war wenig überaschend: So hüpfte Kuschelsängerin Marta eben etwas weniger herum und machte mal auf pseudoseriös, indem sie hin und wieder in ihren Noten rumgrabschte. Der Rest der Band gab sich ganz bieder im Big Band Stil. Da halfen auch kein Contrabass und kein Percussionist: Stimmung wollte bei so einer Performance einfach nicht aufkommen. Es erinnerte eher an eine Schulband, die beim Abifest ihren großen Auftritt vor Familie und Freunden haben. Richtig peinlich waren die Versuche, das Publikum zu animieren. Als hätte Marta kürzlich einen Schnellkurs in Sachen “Ferienanimation auf Ibiza für die ganze Familie” gemacht, wurden kleine Gesangswettbewerbe auf der Bühne veranstaltet, über die das Publikum dann mit Applaus urteilen durfte. Der Höhepunkt war dann erreicht, als die Band auf die Hits anderer Bands zurückgreifen musste, um Stimmung zu erzeugen. So brachte die aufgedrehte Marta die erste Reihe und ein paar einzelne dazu, den Mando Diao Hit Dance With Somebody zu singen.
Mit der Ankündigung ihrer bald erscheinenden Best-Of Platte Most Wanted, wo Fans über die Auswahl der besten Songs selbst mitentscheiden können, wurde der Bogen zur nächsten Covernummer gespannt: “Wenn ihr euch was wünschen dürft, dann dürfen wir das auch.” Der Wunsch der Band viel auf den Hit von 1997 Hedonism, der Band Skunk Anansie. Die Interpretation der Band beschränkte sich auf eine bloße Imitation des Originals. Schade? Was hätte man denn erwartet. Jedenfalls muss man Die Happy in dem Punkt recht geben, dass es eine Schande ist, dass sich so gute und einfallsreiche Bands wie Skunk Anansie aufgelöst haben.


